Widerruf von Autokrediten

Widerruf des Kredit- oder Leasingvertrages bei Anschaffung eines Diesel- oder Benziner-PKW`s


1.) Das Wichtigste in Kürze:

Bei zahlreichen Autokrediten wurden die Verbraucher von dem Kreditgeber (Bank) nicht korrekt über ihre Rechte zum Widerruf des Vertrages informiert.

Bei diesen Verträgen läuft die gesetzliche 14-tägige-Widerrufsfrist nicht bzw. nie ab. 

Der Widerruf des Autokredits ist deswegen „auf ewig“ möglich – auch noch viele Jahre nach Vertragsschluss und selbst dann, wenn der Kredit abbezahlt ist.

2.) Die aktuelle Rechtslage:

Nachdem bereits mehrere Gerichte entschieden haben, dass zahlreiche Autokreditverträge widerrufen werden können, hat das Landgericht Ravensburg nun als erstes deutsches Gericht aktuell entschieden: ein Verbraucher erhält alle gezahlten Raten zurück und muss der VW-Bank weder Wertersatz noch eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer zahlen.

Im konkreten Fall ist der Kläger damit 70.000 Kilometer kostenlos Auto gefahren. Insgesamt betroffen sind rund 1,5 Millionen fehlerhafte Autokreditverträge der VW-Bank und deren Zweigniederlassungen Audi Bank, Seat Bank und Skoda Bankund mehr.

Der Kläger, Fahrer eines PKW der Marke Skoda (zum VW-Konzern gehörend), konnte seinen Darlehensvertrag im Mai 2017 erfolgreich widerrufen, da er von der VW-Bank bei Vertragsschluss fehlerhaft über sein Widerrufsrecht belehrt wurde. Das Landgericht Ravensburg verurteilte die VW-Bank zur Rückzahlung aller bislang von dem Käufer gezahlten Raten, und zwar ohne Abzug für Schäden am Fahrzeug oder Ersatz für die zwischenzeitlich zurückgelegten rund 70.000 Kilometer (Landgericht Ravensburg Urteil vom 07.08.2018; Az. 2 O 259/17)

Das Urteil ist für den Verbraucher, der sein Auto über einen Kredit bei einer Hausbank eines Autoherstellers finanziert hat, extrem günstig. Die Richter begründeten ihre Entscheidung im Kern damit, dass eine ordnungsgemäße Belehrung des Verbrauchers über seine Rechte beim Abschluss von Kreditverträgen unterblieben ist.

3.) Die Konsequenz für Sie:

Falls Sie Ihr Fahrzeug bei der Hausbank eines Autoherstellers finanziert haben, können Sie, wenn auch Sie falsch belehrt wurden, den Vertrag unter den oben genannten günstigen Bedingungen durch die Erklärung des Widerrufs rückabwickeln.

Der Autokredit-Widerruf bringt Ihnen in jedem Fall finanzielle Vorteile, unabhängig von Hersteller und Modell, denn Sie geben das gebrauchte Auto zurück an die finanzierende Bank und erhalten im Gegenzug die gezahlten Raten (und gegebenenfalls Ihre Anzahlung) zurück. Für Fahrzeuge, die nach dem 13. Juni 2014 erworben wurden, könnte außerdem eine besonders verbraucherfreundliche Rechtsprechung gelten. Nach Auswertung des bisher ergangenen Urteile müssen Verbraucher nicht für die Abnutzung des PKWs – sprich die gefahrenen Kilometer – aufkommen. Die Bank muss also den vollen Betrag zurückzahlen. Damit ist der Widerruf des Autokredits besonders vorteilhaft.

Mit dem zurückerhaltenen Geld können Sie im Anschluss einen neuen PKW kaufen oder finanzieren und haben im Ergebnis wieder einen Neuwagen.

Aber auch für den Fall, dass Sie doch eine Entschädigung für die gefahrenen Kilometer zu zahlen haben, sind die Abzüge bei einer gewöhnlichen Fahrzeugnutzung verhältnismäßig gering. Bei einem Mittelklasse-PKW beträgt die durchschnittliche Nutzungsentschädigung ca. 130 -140 EUR pro Monat.

Nutzen Sie also die Chance, die der „Widerrufsjoker“ bietet.

Akzeptiert die Bank den Widerruf nicht, können Sie ohne Kostenrisiko klagen, wenn Sie rechtsschutzversichert sind. 

Unsere anwaltliche telefonische Erstberatung ist kostenfrei und für Sie unverbindlich !

Sie übersenden uns vorab (per Post oder als PDF-Datei per E-mail) Ihren Auto-Kreditvertrag.

Einer unserer spezialisierten Mitarbeiter erläutert Ihnen dann in der kostenfreien und für Sie unverbindlichen telefonischen Erstberatung das Ergebnis der Vertragsprüfung und empfiehlt Ihnen das weitere Vorgehen.

Sie können dann entscheiden, ob Sie den finanziellen Vorteil nutzen und Ihr Widerrufsrecht ausüben wollen.

Wir nehmen im Anschluss Kontakt mit der Bank auf, erklären gegebenenfalls für Sie den Widerruf des Vertrages und verhandeln mit Ihrer Bank über die Rückabwicklung.

Falls Ihre Bank die Rückabwicklung verweigert, werden unsere erfahrenen Anwälte Ihre Interessen im Wege der Klage vor Gericht durchsetzen.

4.) Autoleasing-Verträge:

Auch Leasingverträge für Autos können eventuell widerrufen werden, da auch hier in manchen Verträgen eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthalten ist.

Die 14-tägige Widerrufsfrist beginnt grundsätzlich frühestens mit Vertragsschluss zu laufen, in der Regel also mit Zugang der Annahmeerklärung des Leasinggebers beim Leasingnehmer. Um sie in Gang zu setzen, muss der Leasinggeber (die Bank) dem Leasingnehmer die Vertragsurkunde, den schriftlichen Antrag des Leasingnehmers oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder des Antrags zur Verfügung gestellt haben. Darin oder zusätzlich muss er über die Pflichtangaben nach Art. 247 EGBGB, insbesondere über sein Widerrufsrecht, belehrt worden sein.

Erst wenn die Bank ihren Belehrungspflichten vollständig nachgekommen ist, beginnt die Widerrufsfrist zu laufen. Fehlen die Pflichtangaben bzw. ist die Widerrufsbelehrung unrichtig, beginnt die Widerrufsfrist erst zu laufen, wenn sie Belehrung nachgeholt wurde. Sie verlängert sich dann auf einen Monat.

Solange die Belehrung nicht vollständig und richtig erfolgt ist, kann der Vertrag jederzeit noch von dem Käufer (sofern er ein „normaler“ Verbraucher ist), widerrufen werden. Die sonst für Widerrufsrechte geltende Höchstfrist von zwölf Monaten und 14 Tagen ab Vertragsschluss (§§  Abs. 3 S. 2,  Abs. 3 S. 2,  Abs. 2 S. 2 BGB) findet beim Widerruf von Verbraucherdarlehen keine Anwendung, weil die  keine Höchstfrist vorsieht.